Gelbe Rampen in der Münchner U-Bahn: Barrierefreiheit aus innovativem Faserverbund-Material

Zusmarshausen, den 09.02.2022

Installation der barrierefreien Bahnsteigerhöhung in der U-Bahnstation Karlsplatz in München. Das zum Patent angemeldete verdeckte Befestigungssystem sorgt für einen einfachen und schnellen Montageablauf.

Zur Einrichtung eines barrierefreien Zustiegs in die Münchner U-Bahn hat das Unternehmen FISCO GmbH mit Sitz in Zusmarshausen eine spezielle Rampe aus nicht brennbarem Faserverbundmaterial entwickelt. 53 U-Bahnstationen in München wurden in der zweiten Jahreshälfte 2021 mit insgesamt 108 Rampen ausgestattet. Dadurch ist der Höhenunterschied von ca. 6 cm zwischen Bahnsteig und U-Bahn nun kein Hindernis mehr für Fahrgäste mit Mobilitätseinschränkungen und der Zustieg mit Rollstuhl, Gehhilfe und Kinderwagen wird erheblich vereinfacht.

Barrierefreie Bahnsteigerhöhung in der U-Bahnstation Laimer Platz in München.
Die 6,5m lange Rampe befindet sich immer im Haltebereich der ersten Zugtür in Fahrtrichtung.

Aufgrund der speziellen Einbausituation der Rampen in den Münchner U-Bahnstationen waren besondere technische Herausforderungen bei der Konzipierung der Rampen zu lösen. Das verwendete Material musste stabil, leicht, korrosions- und chemikalienbeständig, elektrisch nicht leitend und insbesondere nicht brennbar sein. Damit entfielen beispielsweise Lösungen aus konventionellem Kunststoff, Hartgummi oder Metall ebenso wie die bisher bekannten Faserverbundwerkstoffe. Die geforderten Materialeigenschaften vereint hingegen ein innovativer, nicht brennbarer Faserverbund-Werkstoff, den das Unternehmen FISCO entwickelt hat und in einem automatisierten Fertigungsverfahren industriell verarbeitet. Zudem ermöglicht das Faserverbundmaterial ein geringes Bauteilgewicht für eine leichte Handhabung. Die Rampenelemente konnten dadurch ohne Transport-Hilfsmittel an die Bahnsteige gebracht werden. Um die Rampenelemente in der nächtlichen Betriebspause ohne Beeinträchtigungen des Bahnbetriebes in kurzer Zeit installieren zu können, musste der Montageprozess so einfach wie möglich gestaltet sein. „Hierfür haben wir ein neuartiges, sehr einfach zu handhabendes Befestigungssystem entwickelt, das zwischenzeitlich auch zum Patent angemeldet wurde“ erklärt David Thull, Leiter Entwicklung und Produktmanagement bei FISCO. Bei dieser Befestigungsmethode werden die einzelnen Rampenelemente auf zwei zuvor auf dem Boden verankerte Edelstahlschienen aufgeschoben und ohne von außen sichtbare Befestigungspunkte fixiert.

Barrierefreie Bahnsteigerhöhung in der U-Bahnstation Laimer Platz in München. Mithilfe der Rampe wird der Höhenunterschied von 6cm zwischen Bahnsteig und Waggon ausgeglichen.

Mit der Realisierung der barrierefreien Bahnsteigerhöhung hat das Unternehmen FISCO das erste große Projekt mit Verwendung des nicht brennbaren Faserverbundwerkstoffes, der im September 2016 mit einem Innovationspreis ausgezeichnet wurde, erfolgreich abgeschlossen.